Bayerischer Korridor

Memmingen-Kißlegg-Hergatz



Eröffnung: Kißlegg-Leutkirch: 01.09.1872
Kißlegg-Wangen: 31.07.1880
Leutkirch-Memmingen: 02.10.1889
Wangen-Hergatz: 15.07.1890
Streckenlänge: 62 Kilometer
Bahnhöfe: Memmingen, Tannheim, Marstetten-Aitrach (Hst), Aichstetten, Leutkirch, Kißlegg, Wangen (Allgäu), Hergatz


Als eine Art Flickenteppich aus verschiedenen Nebenbahnen, oder als Resultat der Kleinstaatlichkeit, kann die heutige Strecke Memmingen-Hergatz verstanden werden. Es lohnt ein Blick in die Geschichte: Auch nach der Reichsgründung im Jahr 1871 blieben die Bahnverwaltungen Bayerns und Württembergs selbständig und zelebrierten diese Autonomie in (aus heutiger Sicht) befremdlicher Art und Weise. In fast jedem Grenzbahnhof unterhielt jede Bahnverwaltung ihre eigenen Betriebsanlagen - beispielsweise gab es in Isny zwei Lokschuppen: einen für bayerische und einen für württembergische Zwecke. In einigen früheren Grenzbahnhöfen findet man noch heute manche Gleise etwas abseits gelegen. Meist handelt es sich dabei um die früheren Anlagen der "ausländischen" Bahnverwaltungen.
Auch auf der Strecke Memmingen-Hergatz lässt sich die einstmals strikte Trennung beobachten. Im Zentrum der Linie steht die württembergische Allgäubahn. Sie wurde von Herbertingen über Aulendorf, Kißlegg und Leutkirch nach Isny gebaut. Eine Nebenbahn erschloss von Kißlegg aus die Stadt Wangen. Von Leutkirch sollte die Strecke weiter links der Iller nach Schwendi gebaut werden. Zu grenzüberschreitenden Linien kam es vorerst nicht, da die einzelnen Staatsbahnen gegenseitige Konkurrenz fürchteten. Erst als das Militär eine Aufmarschlinie von Bayern durch Württemberg Richtung Frankreich forderte, einigten sich die Länder. So wurden die Lücken geschlossen und die Achse Memmingen-Hergatz entstand.
Trotz ihrer Eingleisigkeit und ihrer teilweise umständlichen Streckenführung nehmen heute die meisten Fernzüge der Relation München-Lindau-Zürich den Weg über Memmingen-Hergatz - ist diese Route doch gut 20 Kilometer kürzer und weniger steigungsreich als die zweigleisige Allgäubahn via Kempten.



Es war der letzte Sommer für die kleinen Triebwagen der Baureihe 627 im württembergischen Allgäu. Ende 2004 kehrten sie ihrer langjährigen Stammstrecke den Rücken. Hier ist 627 104, der einzige verkehrsrote 627.1, zwischen Kißlegg und Wangen unterwegs. Doch dieses Bild zeigt noch mehr: Landwirtschaft bedeutet im Allgäu noch vielerorts Handarbeit. Eine Bäuerin sammelt Gras, das die Maschinen nicht mitgenommen haben.




Ein 642-Doppel hat auf seinem Weg von Augsburg nach Lindau gerade die Landesgrenze passiert, und rollt nun auf württembergischem Terrain in Richtung Tannheim.




So schnell wechseln die Jahreszeiten: An einem herrlichen Sommermorgen haben zwei 218 mit EC 191 am Haken Kißlegg verlassen.




Auf frisch renovierten Gleisen bei Kißlegg war dieser 642 im Herbst 2005 unterwegs. Der Kuh war's egal.




Die selbe Stelle rund drei Monate später: Im Rahmen eines Narrentreffens fuhr der Schienenbus "Ulmer Spatz" einige Sonderzugleistungen zwischen Aulendorf, Wangen und Leutkirch.




Was für eine Stimmung! Nur wenigen Fotografen zeigte sich die Sonne gewogen, als es im Allgäu zu einer einmaligen Bespannung kam: Die letzte im Reichsbahn-Farbschema lackierte 232 bespannte außerplanmäßig den EC 192 im Abschnitt München-Lindau.




Zwischen Leutkich und Kißlegg entstand diese Aufnahme von EC 194, der außerplanmäßig mit nur einer 218 bespannt war. Ein Indiz für akuten Lokmangel im Betriebshof Mühldorf.




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