Zu den hier gezeigten Fotos



Das Zeitalter der digitalen Fotografie bringt viele Vorteile, aber auch gewisse Nachteile mit sich. Wurde früher noch in aller Regel der Film ins Labor zum entwickeln gegeben, so genießt der "digitale Fotograf" heute alle Freiheiten, was die Bearbeitung seiner Bilder angeht. Fotografische Ungenauigkeiten, zum Beispiel schiefe oder falsch belichtete Bilder, können damit mühelos nachträglich korrigiert werden. Segen oder Fluch? Wir meinen: Beides! Schiefe Bilder müssen nicht mehr sein; Parameter wie Helligkeit, Kontrast oder Farbsättigung können bis zur Perfektion optimiert werden; von jedem Bild lassen sich unbegrenzt viele verlustfreie Kopien anfertigen; die Archivierung wird sicherer; die Kosten sinken. Das alles (und noch viel mehr) sind Vorzüge, die wir heute nicht mehr missen wollen.

Ganz entschieden wenden wir uns allerdings gegen inhaltliche Veränderungen von Aufnahmen ohne eine entsprechende Kennzeichnung. Mit der digitalen Bearbeitung sind auch Manipulationen für jedermann zum Kinderspiel geworden: Bereits einfache Kenntnisse machen die perfekte Retusche per Software möglich.

Zugegeben: Künstlerische Freiheit muss nicht vor der Fotografie halt machen - und das hat sie auch noch nie. Von keinem Maler oder Zeichner erwartet, dass er sein Werk bis ins letzte Detail gemäß der Wirklichkeit anfertigt. Im Gegenteil: Illusionen und Wunschwelten waren schon immer Teil künstlerischer Darbietungen. Deshalb ist es sicher kein Verbrechen, wenn jemand ein Foto inhaltlich manipuliert. Doch der Unterschied zwischen Zeichnung und Fotografie liegt darin, dass ein Foto eine Art Dokument darstellt. Soll heißen: Wenn der Betrachter ein Foto sieht, geht er grundsätzlich davon aus, dass jedes dort gezeigte Detail der Realität entspricht. Deshalb plädieren wir für die unbedingte und eindeutige Kennzeichnung manipulierter Fotos. Wer veränderte Bilder ohne entsprechenden Hinweis veröffentlicht, begeht in unseren Augen visuellen Betrug. Im Bereich der Eisenbahnfotografie kann das besonders ärgerliche Folgen haben. Ein Beispiel: In fröhlicher Erwartung begibt sich ein Fotograf an ein Motiv, das er zuvor im Internet gesehen hat. Er freut sich auf ein schönes Alpenpanorama, ein hübsches Kirchlein im Vordergrund und einen ungetrübten Blick auf die Strecke. Nach langem Fußmarsch zum notierten Streckenkilometer folgt ein langes Gesicht. Die hübsche Kirche existiert nicht, neben der Bahnstrecke verläuft eine dicht befahrene Schnellstraße, und das herrliche Alpenpanorama wird durchzogen von einer riesigen Freiluft-Stromleitung. Was folgt, ist klar: Enttäuschung, Ärger und Wut auf denjenigen, der seine Traumwelt als Realität verkauft hat. Nachgewiesenermaßen sind derartige Täuschungen bereits bis in Fachzeitschriften vorgedrungen, ohne dass der Betrug von der Redaktion bemerkt wurde. Verständlich, denn kein Redakteur kann jedes Bild einzeln auf seinen Wahrheitsgehalt prüfen.

Aus Gründen der Ehrlichkeit, der Kameradschaft und des persönlichen Fotografierstils können wir jedoch guten Gewissens versichern: Keines unserer hier gezeigten Bilder ist inhaltlich manipuliert, globale Korrekturen halten sich in engsten Grenzen. Die wahre Fotografenkunst liegt nicht in der digitalen Nachbearbeitung, sondern im Umgang mit der Kamera selbst.